Teamfortbildung: Kita als (weltoffenes) Dorf

Ein Dorf hat einen Marktplatz und Wege. Die Marktplatzmitte und Wege stehen für die konzeptionellen und ideellen Anliegen von Kita als weltoffenes Dorf. Der Begriff „Weg“ drückt aus: Hier geht es ums sich-auf-den- Weg-machen. Sie führen über den „Tellerrand“ des Dorfes und wieder zurück zur Mitte. Alle Wege haben gleichzeitig eine starke Innenwirkung auf das Leben im Kita-Dorf und Außenwirkung auf ihre nähere und fernere Umwelt.

Worum geht es?

Für ein Kind ist die Kita nahezu ein Dorf. Es gibt viel zu erleben und auszukundschaften. Das seinen Radius stetig erweiternde Kind erlebt und entdeckt die unterschiedlichen Räume. Es lernt die Persönlichkeiten, die Gruppierungen, die Dinge, Gewerke und Betätigungsmöglichkeiten sowie das natürliche und soziale Umfeld seines Dorfes kennen. Es lernt Erlaubnisplätze und Verbotszonen kennen und schöne Grauzonen zu nutzen. Das Kind erfährt Komplexität in bestenfalls maßgeschneidertem Rahmen.

In einem Dorf hat ein Kind nicht nur das ganze Dorf sondern auch ein Zuhause. Von dort aus wird es nach und nach seinen Radius erweitern – sogenannte „Stromerzeiten“ – und kann jederzeit zu seinem „Quartier“, seinen Bindungspersonen zurückkehren. Es erhält also Bindung und Freiheit.

In den „Stromerzeiten“ folgt es seiner Bewegungsfreude, erkundet die Umgebung, hat spannende Begegnungen und erlebt Abenteuer.

Kehrt es zurück zu seiner Bezugsgruppe, kann es von seinem Tun, Empfinden, Denken und Lernen berichten. Es wird wahrgenommen, erhält Resonanz und kann zur Ruhe kommen. Es erlebt sich in mehrfacher Hinsicht als mitgestaltendes Mitglied einer überschaubaren und verbindlichen Gemeinschaft oder Gruppe.

Wie ist das bei uns im Schneckenhaus?

Die Marktplatzmitte ist unser Wintergarten im Keller. Hier kommen wir zusammen, beginnen und beenden eine Kitawoche gemeinsam oder treffen uns mehrmals im Jahr alle täglich zu Projekt- und Themenwochen.

Die Quartiere sind die jeweiligen Gruppenräume, in denen sich jedes Kind seiner Gruppe und Bezugspädagogen zugehörig fühlt. Hier kommt es an, hier sind seine persönlichen Sachen, hier ist es ein Teil einer Gruppe.

Die Werkstätten sind Orte und Räume, die vielseitige und tiefgreifende Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Werkstoffen und Werkzeugen. Unser Kreativraum lädt ein zum bildnerischem Gestalten mit verschiedensten Materialien. Die Kinderwerkstatt bietet Möglichkeiten zum Bauen mit Holz, zum Experimentieren sowie für für mathematische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Ebenso gibt es aber in jedem Gruppenraum verschiedenste Materialien und Spielzeuge, die zum Erforschen und Entdecken einladen.

Die Wege in der Kita, die sogenannten Galerien und Gassen, sind gestaltet wie sprechende Wände, sie erzählen vom „Leben im Dorf“. Es sind die Flure und Garderoben, die die Gruppen verbinden.

Die Rückzugsorte sind die Häuser in den Gruppenräumen, unter denen es sich herrlich verstecken lässt.

Die Natur und der Garten sowie unsere Ausflüge und Spaziergänge sind „Dorfacker“, „Dorfanger“ und „Dorfumgebung“, die wir häufig nutzen, um das Raumverständnis über die „Dachrinne“ hinausgehen zu lassen.

Fazit

Tagtäglich arbeiten wir partizipativ, aber diese Fortbildung zeigte uns auf, dass wir immer wieder schauen und immer wieder überprüfen müssen, ob wir den Kindern altersgerechte „Stromerzeiten“ innerhalb unseres Kitahauses und -geländes geben. Wir müssen den Mut haben, ihnen in ihrer Radiuserweiterung mehr zuzutrauen – besonders den Schneckenkindern. Ebenso gilt es, Materialien und Raumbeschaffenheiten immer wieder zu durchdenken, Materialien und Spielzeuge regelmäßig zu wechseln, um wechselnde Anreize zu schaffen.

 

Im Namen des Teams,

Katrin Stein